Reisen / Travel

Prizren

Während einer zweimonatigen Grabungskampagne in Ulpiana im Kosovo hatte ich die Gelegenheit, etwas mehr über dieses kleine Land, seine Bewohner und das Leben nach dem Krieg zu erfahren. Prizren ist die schönste Stadt, die ich während meines Aufenthaltes besucht habe. Doch ausgebrannte Häuser erinnern daran, dass es hier noch vor wenigen Jahren gewaltsame Ausschreitungen zwischen Albanern und der serbischen Minderheit im Land gab.

Prizren ist mit seinen 180.000 Einwohnern nach der Hauptstadt Prishtina die zweitgrößte Stadt im Kosovo. Unten im Zentrum der beschaulichen Stadt reihen sich Cafés am Fluss entlang, dessen Wasser glitzernd unter alten Steinbrücken hindurchrauscht. Doch immer sind im Hintergrund die Ruinen des ehemaligen serbischen Stadtviertels Podkalaja zu erkennen, dessen Bewohner nie zurückgekehrt sind. Die Häuser am Berghang unterhalb der Festung Kalaja wurden 2004 von einem aufgebrachten albanischen Mob in Brand gesteckt, die Besitzer flüchteten. Bis heute sind die Überreste verkohlter Wohnzimmermöbel, zerschlagenes Küchengeschirr und verschmorte Elektrokabel so zu sehen, wie sie damals zurückgelassen wurden. Durch die glaslosen Fensterrahmen hat man einen wunderschönen Blick auf den Rest der Stadt. Die gespenstische Ruinenstadt am Rande Prizrens muss früher einmal ein privilegiertes Wohnviertel gewesen sein.

Das serbische Viertel ist ungewollt ein Mahnmal der politisch-religiösen Auseinandersetzungen im Kosovo und auf dem Balkan; und es macht deutlich, wie akut die Spannungen immer noch sind. Als Tourist wird man nicht gerne in Podkalaja gesehen; was wir dort wollten, fragten uns albanischen Städter bei unserem Besuch aufgebracht. „Nur spazierengehen“. Wir täuschten Ahnungslosigkeit vor, aber ein grimmiger Blick blieb trotzdem auf den Gesichtern unserer Gegenüber zurück. Doch gerade deshalb ist die Stadt, aus historischer Perspektive, interessant und aufschlussreich. Und einen guten Qebap kann man auch dort genießen, wenn man das flaue Gefühl im Bauch nach dem Besuch in Podkalaja wieder losgeworden ist.

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