Archäologie / Archaeology Reisen / Travel

Kraxeln mit Kopftuch: Zu Besuch bei Shapur I.

Anfang Oktober müsste es selbst im Iran von den Temperaturen her eigentlich erträglich sein, hatte ich gedacht. Das stimmt auch, solange man im klimatisierten Bus herumkutschiert wird und nur alle paar Stunden einmal aussteigt, um etwas zu besichtigen. Aber wir sind nunmal Archäologen, und das, was uns interessiert, liegt oft irgendwo im Nirgendwo an weniger gut zugänglichen Orten. So auch die Höhle Shapurs I. bei Bishapur.

Temperatures should be bearable even in Iran in early October, I thought. And they are, as long as you are speding most of the time in an air-conditioned bus which you only leave for shorter visits of some sights. Since we are archaeologists, however, most of the stuff that interests us is located somewhere in the middle of nowhere, like the cave of Shapur I. near Bishapur.

Bishapur.

Bishapur war die Residenzstadt der sassanidischen Könige, die vom 3. bis zum 7. Jh. n. Chr. über ein Gebiet herrschten, das sich weit über die Grenzen des heutigen Iran hinaus erstreckte und auch als Neupersisches Reich bezeichnet wird. Die Sassaniden waren somit im Osten der stärkste Gegner Roms, und Shapur I. „der Große“ demonstrierte seine Überlegenheit über die Römer in mehreren Felsreliefs in Tang-e Chogan bei Bishapur, die ihn mit den knienden römischen Kaisern Philippus Arabs und Valerian zeigen.

Bishapur was the capital city of the Sassanid kings who ruled between the 3rd and 7th century AD over a territory far bigger than that of present-day Iran. The Sassanids were the strongest enemy of the Romans in the East, and Shapur I. „the Great“ enjoyed to express his power over the Romans in several reliefs cut into the rocks in Tang-e Chogan near Bishapur. In these reliefs he can be seen on a horse, with the Roman emperors Philippus Arabs and Valerian kneeling in front of him.

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Rock relief of Shapur I.  //  Felsrelief Shapurs I.

Die Höhle Shapurs des Großen erreicht man in einem ca. ein- bis eineinhalbstündigen Aufstieg, und obwohl wir bereits vor Sonnenaufgang das Hotel verlassen hatten und uns um 7:00 zu Fuß auf den Weg machten, herrschte sengende Hitze. Da aber niemand außer uns Wahnsinnigen und einem einsamen Höhlenwächter zu sehen war, erlaubte unser Tourguide Ali uns Frauen großzügig, das Kopftuch abzunehmen. Was für eine Erleichterung, einmal in 16 Tagen außerhalb des Hotels die vom Schweiß an den Kopf geklebten Haare zu lüften!

Ascending to the caves takes one to one and a half hours, and even though we had left our hotel before sunrise and started walking at 7:00, it was already incredibly hot. But since we were, apart from one lonely guard, the only people to be seen around, our tour guide generously allowed us girls to take off our head scarves. What a relief to free your sweaty hair from this piece of cloth outside of the hotel at least once in 16 days!

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Cave and view from the cave. // Blick aus der und in die Höhle.

In der Höhle, die sich tief in den Berg hineinzieht, steht die 7m hohe Kolossalstatue Shapurs I. Sie wurde aus ihren Fragmenten wieder zusammengesetzt und die fehlenden Stücke wurden in wunderschönem Beton ergänzt. Einziger Schönheitsfehler: Die Statue wurde neben ihren eigentlichen Füßen wiedererrichtet. So steht Shapur nun wortwörtlich neben sich.

The cave, that extends deep into the mountain, hosts a 7m statue of Shapur I. which has been reconstructed from fragments – just that it was reerected next to its original feet. So Shapur literally „stands besides himself“ (which is a German expression for being confused).

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Vakid Mosque in Shiraz. // Die Vakid-Moschee in Shiraz.

Nach der schweißtreibenden, aber wahrlich lohnenden Höhlentour ging es nach Shiraz, wo wir den Bazar, ein Hamam und die Vakid-Moschee besichtigten. Ich hätte dort gerne mehr Zeit gehabt, denn das Stadtzentrum war wunderschön, es saßen sehr westlich aussehende junge Leute auf den Plätzen und auch das Angebot auf dem Bazar war wesentlich interessanter als auf dem touristenüberlaufenen Bazar in Isfahan.

After the sudorific but rewarding visit to Shapur’s cave we moved on to Shiraz, a seemingly pretty town with westernised young people hanging out in the squares. The bazaar looked far more interesting than the touristy one in Isfahan, and we also visited the baths and the Vakid Mosque.

The bazaar of Shiraz. // Der Bazar von Shiraz.

The hot baths. // Das Hamam.

Das Abendessen nahmen wir in einem sehr noblen Restaurant mit modernster Innenarchitekur ein, wo wir uns, wie immer als Archäologen, etwas schlecht gekleidet fühlten. Die Hähnchenspieße und anderen Fleischberge, die wir überlichweise vorgesetzt bekamen, hingen uns auf unserer Reise schon nach wenigen Tagen zum Hals raus, weil man – anders als in Europa, wo alles hin zu vegetarischem oder veganem Essen tendiert – im Iran offenbar Fleisch isst, wenn man ausgeht und sich etwas leisten will. Jeden Tag zweimal Kebab ist allerdings selbst für Deutsche zu viel. In diesem schicken Restaurant in Shiraz dagegen hatte man sich auf Reiskuchen verschiedenster Art spezialisiert, von denen wir acht (!) pro Tischrunde serviert bekamen, also ca. 8 kg Reis für jeweils sechs Personen. Nach dem Kebab-Overkill gab es an diesem Abend also Reis bis zum Abwinken…

For dinner we were taken to a really fancy restaurant in which we poor and dirty archaeologists felt badly dressed as usual. Already after a few days, we had gotten bored of the chicken kebab and the tons of other meat we were served every day, but if you go out to a restaurant in Iran, you are supposed to want meat, because it is a comparably rare and expensive commodity. In Europe, on the contrary, everyone seems to be craving for vegetarian or even vegan food, and a kebab twice a day is too much even for Germans. So in this posh restaurant in Shiraz, we experienced a new overkill: The dinner consisted of almost only rice in the form of various rice cakes filled with meat or topped with just a cabbage leaf. There were about 8kg of rice per table (i.e. per 6 persons). So after the kebab overkill came the rice overkill…

Rice cakes everywhere. // Alles voller Reis.

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