Reisen / Travel

Kultur und Krisen. Reisen im jungen Staat Kosovo

Wusstet Ihr, dass der Kosovo insgesamt nur ca. 1,8 Millionen Einwohner hat? Vermutlich nochmal genauso viele Kosovaren leben im Ausland, etliche davon in Deutschland. Deswegen sprechen viele Kosovaren besser Deutsch als Englisch, weil in fast jeder Familie irgendjemand in Deutschland arbeitet, während des Kosovokrieges 1999 nach Deutschland geflohen ist oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der in Deutschland lebt. Mir ist als Deutsche im Kosovo deshalb viel Freundlichkeit entgegengebracht worden.

Als ich 2011 zum ersten Mal dorthin gereist bin, wusste ich ehrlich gesagt nicht besonders viel über die winzige Republik, die 2008 unabhängig erklärt wurde – und  es gibt immer noch sehr viel für mich zu entdecken, obwohl ich ein wenig durch die Gegend getourt bin und Freunde mir einige Orte gezeigt haben.

Did you know that the entire Kosovo has only about 1.8 million inhabitants? Probably the same number of Kosovars live abroad, many of them in Germany. That is why the people I met in Kosovo were more likely to speak German than English, because in almost every family there is someone who works in Germany, or who had been there during the Kosovo war in 1999, or who knows someone who knows someone… in Germany. In general, people seem therefore to be very friendly towards Germans.

To be honest, I did not know a lot about the tiny state declared the independent Republic of Kosovo in 2008 when I came there the first time in 2011. And there is still so much to explore for me, even though I have been wandering around a bit and my local friends have taken me to some places.

Umgebung der Radavac-Höhle. // Near Radavac Cave.

Bei dem Wort Kosovo denken die meisten (West)Europäer nur an die Jugoslawien-Kriege. Ist es dort nicht gefährlich?, fragen mich oft Leute, denen ich von unserer Grabung erzähle. Was ist mit Landminen?, wollen meine Freunde wissen.

Zunächst einmal sei gesagt: In den Kosovo zu reisen, ist weder besonders gefährlich noch in irgendeiner Weise „anders“: Man braucht für kürzere Aufenthalte kein Visum, man kann überall mit Euro bezahlen (auch wenn er nicht offizielle Landeswährung ist), man kann die Schrift (des Albanischen) lesen, man kann Wasser aus der Leitung trinken, … Klingt gar nicht so schlimm, oder?!

The name ‚Kosovo‘ is still mostly associated with the Yugoslav wars. Isn’t it dangerous to go there?, most people from Western Europe ask me when I tell them about our excavation. What about landmines?, my friends worry.

First of all: Travelling to Kosovo is neither particularly dangerous nor very ‚different‘: You do not need a visa for short stays, you can pay in Euros (even though the Euro is not the official currency),  Albanian language uses Latin script, tap water is potable, …. That does not sound too problematic, does it?

kosovo-2011-065

Ausgrabung in Ulpiana. // The archaeological site of Ulpiana.

Zweitens: der Kosovo gilt laut dem UNMACC (United Nations Mine Action Coordination Centre) als weitestgehend minenfrei. Ja, das bedeutet, es kann Ausnahmen geben, und ja, es gibt einen Archäologen, der vor Jahren auf einem Survey im Kosovo sein Bein verloren hat. Allerdings arbeiten wir auf besiedeltem und bebautem Gebiet; wir graben nicht in ehemaligen Militärzonen, die seitdem nicht mehr betreten wurden.

Secondly: Kosovo is said to be mostly mine free according to the UNMACC (United Nations Mine Action Coordination Centre). Yes, this does mean there could be exceptions, and yes there is an archaeologist who lost one leg in Kosovo during a survey years ago. But the area we dig is populated and in crop; we do not work on former military ground that has not been touched since then.

Felsenkirche in Korisha, die Burg Harilaq nahe dem Flughafen, mittelalterliche Brücke. Rock church in korisha, Harilaq castle near the airport, medieval bridge.

Und ja, die Geschichte des Kosovo, wie des ganzen Balkan, ist (jedenfalls für mich) höchst komplex, und Vieles ist politisch aufgeladen. Das erfordert – wie alle fremden Länder und Kulturen – eine gewisse Sensibilität; aber es hat auch Konsequenzen auch für die Reisewege. Der Kosovo wird nicht von allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen als souveräner Staat anerkannt, und die Einreise nach Serbien über den Kosovo ist unter Umständen problematisch, weil Serbien den Kosovo – und damit auch offizielle kosovarische Stempel – nicht anerkennt. Im Norden, nahe der Grenze zu Serbien, kam es noch 2011 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, und die Stadt Mitrovoca ist in einen serbischen Nord- und einen albanischen Südteil gespalten, deren Verbindungsbrücke über den Fluss Ibar von internationalen Sicherheitskräften kontrolliert wird.

And yes, the history and politics of Kosovo, and the entire Balkans, are complex, so travelling there – like everywhere – requires a certain sensitivity. They also affect the routes you can travel. Not all members of the United Nations recognise Kosovo as independent, and travelling to Serbia via Kosovo can cause problems, because Serbia sees Kosovo as a Serbian province and therefore refuses official passport stamps issued in Kosovo. In 2011, violent clashes happened in northern Kosovo, close to the Serbian border, and the bridge that connects the northern (Serbian) to the southern (Albanian) part of the city Mitrovica in that area is controlled by international forces.

Serbisch-orthodixes Kloster in Gracanica, Sultan Mehmet Fatih-Moschee und katholische Mutter-Teresa-Kathedrale in Pristina. // Serbian orthodox monastery Gracanica,  Sultan Mehmet Fatih mosque and Mother Terese Cathedral in Pristina.

Wenn man in Serbien einreist – und von dort wieder ausreisen will – benötigt man einen serbischen Stempel im Reisepass. Den bekommt man, wenn man in Serbien ein- und von dort weiter in den Kosovo und über Serbien wieder zurückreist. Wenn man allerdings direkt in den Kosovo eingereist ist und dann von dort aus nach Serbien möchte, fehlt einem ein serbischer Einreisestempel – denn aus serbischer Sicht hat man sich im Kosovo ja bereits auf serbischem Boden befunden, die kosovarischen Stempel werden aber nicht als serbische Einreisestempel anerkannt. Man ist also aus Sicht der serbischen Behörden illegal in Serbien eingereist. Mit ein bisschen Vorsicht bei der Reiseplanung lassen diese Schwierigkeiten sich aber umschiffen.

When you travel to Serbia – and you want to leave Serbia again -, you need a Serbian passport stamp. This is no problem, if you travel to Serbia, get the entry stamp, continue to Kosovo and leave to Serbia again from Kosovo. If you travel to Kosovo but want to travel directly to Serbia from there, you do not have a Serbian entry stamp – because from the Serbian point of view, in Kosovo you have already been in Serbia, but the entry stamps issued in Kosovo are not accepted as Serbian ones. That means that according to the Serbian authorities, you have been in Serbia illegally. If you plan your travels well, however, there should not be any problem.

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