Archäologie / Archaeology

Back in Kosovo

2011 war ich neun Wochen lang im Kosovo, wo wir Teile einer römischen Stadt namens Ulpiana bei dem modernen Ort Gracanica ergraben haben. Die deutsch-kosovarische Kooperation funktionierte allerdings nicht so, wie ich es erwartet hatte und wie es vor den Kameras inszeniert wurde – und das lag nicht an unseren Gastgebern und Kollegen vor Ort, die sehr freundlich und offen uns gegenüber waren. Stattdessen war es die deutsche Seite des Teams, die sich entschieden hatte zu glauben, dass der Kosovo ein Land voller unfähiger Archäologen und Krimineller sei.

In 2011, I had been on a dig in Kosovo for nine weeks. We were excavating a Roman site called Ulpiana, near the modern town Gracanica; the German-Kosovarian archaeological cooperation, however, did not quite work as I had imagined. And this was not the fault of our hosts and local colleagues who were very open and friendly towards us. Rather, the German side of the team had chosen to claim that Kosovo was a dangerous place full of criminal people and incompetent archaeologists.

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Uns neuen Studenten, die das erste Mal dabei waren, wurde deshalb nahegelegt, das Grabungshaus nach der Arbeit möglichst nicht zu verlassen. Das fiel uns angesichts des Gestanks der Schweine hinter dem Haus, der Millionen von Fliegen im Wohnzimmer und dem jeden zweiten Tag ausfallenden Leitungswasser allerdings schwer, denn die vermeintlich gefährliche Hauptstadt Pristina schien uns wesentlich zivilisierter als wir in unserer eigenen Behausung. Nach nicht allzu langer Zeit begannen zwei andere Studenten und ich deshalb, die Umgebung auf eigene Faust zu erkunden und uns regelmäßig abends mit unseren kosovarischen Kollegen, die schnell zu Freunden wurden, in Pristina zu Bier und Billard zu treffen. Damals schworen wir uns, eines Tages eine echte – und ehrliche – Kooperation ins Leben zu rufen.

The ones of us students who participated in the project for the first time were told to stay together and not leave the house except for work. Millions of flies in our living room, the smell of the pigs from behind the house, and the failing water system, however, made it hard to believe that we should live and be more civilised than our supposedly uncultivated colleagues. All the myths, therefore, could not prevent two other students and me very long from exploring the surroundings on our owns and to go out to the capital, Pristina, at night to meet our Kosovarian colleagues, who soon became good friends, for some beer and billiard. Back then, we swore that one day there should be a real, and honest, cooperation.

Blick von der Burganlage in Korisha aus. // View from Korisha castle.

Diesen Sommer wurde ich vom Archäologischen Institut des Kosovo als wissenschaftliche Beraterin eingeladen, um mir eine Grabung bei Korisha, nahe Prizren, anzuschauen. Momentan wird dort eine spätantike Burganlage ausgegraben, aber ganz in der Nähe gibt es auch ein römisches Areal, von dem bisher noch nichts freigelegt wurde; wenn wir für nächstes Jahr Fördergelder bekommen, kann ich zurückkommen und dort eine Grabungskampagne starten. Ich wünsche es mir, denn ich war zwei lange Sommer nicht mehr auf Grabung, weil ich mich auf meine Diss konzentrieren wollte. Jetzt ist sie abgegeben, und ich bin frei für neue archäologische Abenteuer – und vielleicht eines Tages für die Kooperation, die wir vor fünf Jahren angedacht hatten.

This summer, I was invited as a scientific consultant by the Archaeological Institute of Kosovo to visit a site they were excvating and to give my opinion on the Roman area near-by which has yet been untouched by archaeologists. At the moment, work is concentrated on a late-antique castle on a hill next to Korisha, a modern village close to Prizren. But if we get funding, next year I can come back for an excavation campaign of the Roman site. Keeping my fingers crossed! It has been two summers that I have not been on a dig, because I had wanted to concentrate on my PhD thesis. After having finished it, I am now free for new archaeological adventures – and one day maybe for the cooperation we had once thought of.

Die Umgebung der Burg. // The surroundings of the castle.

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