Reisen / Travel

Resumée: Archäologie mit Rucksack und Rad in Südfrankreich

Zum Abschluss der ersten drei Wochen des Reisestipendiums ein Resümée zum Bikepacking in Südfrankreich:

Wir hatten drei Wochen lang fast ausschließlich blauen Himmel und Sonnenschein – so viel, dass die Sonnencreme, die ich für alle Fälle eingepackt (aber eigentlich nicht für unbedingt notwendig erachtet) hatte, sehr schnell leer war. Wir haben bei den verschiedensten Leuten übernachtet, unterschiedliche Wohnsituationen und Alltagsroutinen miterlebt. Obwohl wir zunächst fast immer nur eine Nacht angefragt hatten, haben wir uns letztendlich meist doch für zwei oder drei Nächte eingenistet, was für unsere Gastgeber – die alle recht locker und entspannt waren – nie ein Problem zu sein schien (zumindest haben sie es nicht zugegeben…).

To summarize some of our experiences of bikepacking in southern France and the beginning of the travelling scholarship:

We have had almost three weeks of beautiful blue skies and sunshine that made me having to finish the sun protection I had taken with me just in case (but which I had believed I would never need before travelling to Egypt in January). We stayed with many different people, got insights into various kinds of daily routines and housing conditions. Mostly, when we had just politely asked for one night to stay, we ended up staying two or three nights in the same place, but it never seemed to be a problem (or at least people did not admit it…), and everyone we stayed with was quite relaxed.

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Unsere Unterkünfte waren alles vom großzügigen Landhaus in Burgund bis zur charmanten Studentenbude. Vier Nächte verbrachten wir in der Wohnküche einer liebenswerten ungarisch-französischen Familie in Barbetane (bei Avignon), deren Hund morgens zu uns in den Schlafsack gesprungen kam, wenn seine Besitzer gegen 6:30 Uhr die Zimmertür öffneten, um hektisch ihr Frühstück zuzubereiten. Nachdem sie das Haus verlassen hatten, um zur Arbeit zu gehen, kamen sie meist noch drei- bis viermal zurück, um Dinge einzusammeln, die sie mitzunehmen vergessen hatten. In Aix-en-Provence befand sich unser Schlafsofa in der Küche, zwischen der Eingangstür zur Wohnung und der Badezimmertür. Aber das Reisestipendium strengt uns so an, dass wir nicht einmal aufwachten, wenn unser Couchsurfing-Host Oliver von einer Party nach Hause kam oder neben uns Kaffee kochte. Zu unserem Gastgeber Gael in Narbonne kehrten wir bereits eine halbe Stunde nach Abreise wieder zurück, weil wir wegen eines Bahnstreiks die Stadt nicht verlassen konnten. Gael empfing uns auch beim zweiten Mal wieder herzlich, ließ uns eine weitere Nacht bleiben und nahm uns mit in seine Lieblingsbar; umgekehrt begleitete er uns gerne ins Musée Lapidaire, wo wir uns köstlich über die „Organisation“ dieser Sammlung amüsierten.

When couchsurfing, we experienced everything from the vast Burgundy country house to the charmingly humble student’s apartment; we slept four nights in the living room of a lovely Hungarian-French family in Barbentane (near Avignon), with their dog jumping on us in the morning when they entered at 6:30 usually to hectically prepare their breakfast and, after having left the house, returning several times for things they had forgotten to pack for work. In Aix-en-Provence, our sleeping couch was placed in the kitchen, between the entrance door to the apartment and the door to the bathroom; we never woke up though, when our super-nice host Oliver cooked coffee next to our bed or had to enter the bathroom, because apparently the travelling scholarship quite exhausts us. Having said goodbye to Gael, our fantastic host at Narbonne, we turned back just half an hour later to spend just another night at his place and were equally warmly welcomed as the day before, because there was a strike so that we could not leave the city by train that day as planned. We used the chance to pay a visit to Gael’s favourite beer bar, and Gael was happy to join us to the Musée Lapidaire of Narbonne where we had a lot of fun wondering about the strange organisation of the collection.

Fast alle unsere Gastgeber waren ausgezeichnete Köche und verpflegten uns sehr großzügig mit, wofür wir selbsternannten Löwinnen immer sehr dankbar (da vom Radeln gefährlich hungrig) waren. Oliver and Gael servierten uns sogar frische Croissants zum Frühstück, und unser Gastgeber Mathieu kredenzte in Nîmes das beste Tiramisu, das ich je gegessen habe (und ich habe schon viel Tiramisu gegessen, auch in Italien). Und nicht nur für den Magen, auch für den Kopf gab es Spannendes: Wir haben Beatrix kennengelernt, die in einem schwedischen Hochsicherheitsgefängnis mit Sexualstraftätern arbeitet; Oliver erzählte uns über sein Forschungsthema, extreme Gewalt im Film, und den „New French Extremism“. Einer unserer Gastgeber schien schon beim Kochen etwas zu viel Alkohol zu konsumieren, aber abgesehen davon, dass er Bier über seinen eigenen Küchenboden verschüttete und seinen Schuh nicht mehr richtig zubinden konnte, gab es damit keine Probleme. In Orange übernachteten wir im sogenannten „Premier Class Hotel“, dessen Name mehr als überzogen ist. Wir hausten dort in einem ca. 6m2 großen schuhkartonartigen Raum, in dem wir den einzigen vorhandenen Stuhl zum Esstisch umfunktionierten und mit unseren Fahrrädern notgedrungen die Tür von innen blockierten. Trotzdem war es zwischen all dem Couchsurfing sehr schön entspannend, einmal abends Ruhe und Zeit für uns zu haben, so nett unsere Gastgeber auch überall waren.

We were offered really delicious dinners which we thankfully devoured (we call ourselves lionesses on this tour, because all the cycling makes us dangerously hungry); Oliver and Gael brought us fresh croissants in the morning; the most delicious Tiramisu I ever had (and I have had quite some in my live and of course also in Italy) was made by our host Mathieu in Nîmes. We met Beatrix from Sweden who works as a guard in a high security prison; we got to know more about Oliver’s research on extreme violence in movies and the “New French Extremism”; one of our hosts seemed to be constantly drinking at night while cooking, but despite spilling some beers on the kitchen floor and talking a lot, things were fine though. In Orange, where we had not been able to arrange something in advance, we stayed at the infamous “Premier Class Hotel”, in a 6m2 box-like room. We used the only chair as our table for lunch, and at night we stored the bikes inside so that we could not open the door anymore. But in between all the couchsurfing, it was nice nonetheless to have a night off from talking, listening, and making new friends which can be exhausting after a while however nice it is.

Luxuriöse Nacht im „Premier Class Hotel“. // A luxury stay at the „Premier Class Hotel“.

Wir haben aber auch unser Zelt auf einem Campingplatz in Arles ausprobiert, der von vielen Rentnerpärchen aus Deutschland, Holland und Großbritannien bewohnt war, die ihr halbes Wohnzimmer, in Wohnmobilen komprimiert, mit sich herumfahren. Wir waren wohl die einzigen unter 65 und auch die einzigen im Zelt. Ohne Internet und ohne viel Licht im Zelt gab es für uns abends nicht viel zu tun, so dass wir erstaunliche zehn Stunden schliefen. Am Morgen luden wir unsere Handyakkus in den öffentlichen Sanitäranlagen auf und kochten dort Kaffee mit dem kleinen Tauchsieder, den Zsuzsi extra dafür eingepackt hat. Leider trafen nach kurzer Zeit schon die ersten älteren Herren ein, um ihr Morgengeschäft zu verrichten; als wenig später laute Geräusche aus den Toiletten ertönten, entschieden wir, das Frühstück lieber doch in unser Zelt zu verlegen.

But we also tried out our tent in Arles where we shared the camping place with a bunch of pensioners from Germany, Holland, and the UK. Everyone apart from us was very well equipped, carrying their living room with them, compressed into some 10m2 camping vans. We were the only ones under 65, and the only ones sleeping in a tent. We experienced the advantage of having no internet and no real lights in going to bed very early and sleeping extraordinary ten hours in the tent! In the morning, we charged our phones in the public sanitary rooms and cooked coffee with the electric mini immersion heater Zsuzsi brought, but when the first old men arrived there to have their daily morning routine and we could hear loud noises from the toilet cabins, we decided to rather have breakfast in our tent.

Die erste Nacht im Zelt. // First night outside.

Wir haben feststellen müssen, dass es nette, mittelmäßig nette und fiese Regionalzüge (TERs) in Frankreich gibt. Die fieseste Variante besitzt sehr schmale Eingangstüren und steile Treppenstufen, die es unmöglich machen, das Fahrrad einfach reinzutragen. Stattdessen haben wir ein System entwickelt, bei dem eine von uns oben im Wagen steht und alles entgegennimmt, während die andere von unten vom Gleis Fahrräder und Gepäck hochreicht oder eher -schmeißt. Um den Fahrradwaggon zu finden – der aus unerfindlichen Gründen nicht immer kenntlichgemacht ist –, muss man erst einen Schaffner fragen oder, wenn keine Zeit dafür ist, alles einfach in irgendeinen Wagen hieven und hoffen, dass man dort nicht wieder rausgeschmissen wird (was auch schon passiert ist, auch wenn das Zugpersonal zu unserem Glück meist sehr tolerant war…).

We found out that there are friendly, semi-friendly and really nasty regional trains (TERs) in France, the latter of which have very narrow, steep entries which make it impossible to simply carry your bike inside. We have worked out a system though, with one of us standing inside while the other one is lifting (or rather throwing!) all the stuff up from the platform. In order to find the bike wagon – which for some inexplicable reason often is not always indicated – you either have to ask the train staff if there is still enough time, or you just randomly throw your stuff into one wagon and hope that no one will tell that you have to get out again because this is not the right place for bikes (which has happened too, but mostly people have been very tolerant…).

Fieser Zug: Steiler, schmaler Einstieg, kein Stauplatz. // Nasty train: Steep, narrow entrance and zero storage space.

Schon die erste Strecke von Besançon nach Straßburg ließ uns spüren, was es bedeutete, mit und auf dem Fahrrad zu reisen: Wir mussten zweimal umsteigen, was an sich kein Problem ist, wenn es Aufzüge am Bahnhof und moderne Züge mit flachem Einstieg gibt; das Umstiegsprocedere kann jedoch zur Qual werden, wenn man nur wenige Minuten Zeit hat, um Fahrräder und Gepäck treppauf und treppab zu tragen. Es kam nicht selten vor, dass wir bei Einfahrt des Zuges hektisch nach dem Fahrradwaggon Ausschau hielten, um dort hinzurennen (oder zu radeln!) und unser Gepäck in Windeseile hineinzuwerfen, bevor sich die Türen hinter uns und unseren Rädern schlossen, wir irgendwo zwischen der Ausgangstür und Toilette eingesperrt waren und mit unserem Berg von Gepäck andere Passiere am Vorbeigehen hinderten. Wir sind gespannt, wie das in Spanien wird.

Already the first route from Strassburg to Besançon made us understand what it means to travel with and by bike from place to place: We had to change trains twice, which is no problem if there are elevators on the station and modern trains to easily get in, but it can be real a pain when you have to carry your bike and luggage upstairs and downstairs, having only a few minutes time to change platforms. What mostly happened to us is that the train entered the station, we hectically tried to identify the bike wagon to run there and throw the stuff inside. When the doors closed behind us, we were usually stuck somewhere between the toilet and the exit, blocking the corridor and doors to the next wagon with a pile of luggage. We are very curious what the trains will be like in Spain.

Netter Zug: Breiter, ebenerdiger Einstieg und viel Platz innen. // Friendly train: Wide doors, spatious insides.

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