Reisen / Travel

Auf der EuroVelo 6: Mit dem Fahrrad entlang französischer Kanäle

Seit meinem Reisestipendium 2017/2018 sehne ich mich nach weiteren Radreisen. Unabhängig – und dabei sportlich und umweltfreundlich – unterwegs zu sein, ist ein Gefühl, das ich am liebsten immer wieder spüren möchte. Als Wissenschaftlerin ist im normalen Alltagsbetrieb leider kaum Zeit für echte Urlaube, es sei denn, man schaufelt sich mit viel Fleiß, Effizienz und größter Konsequenz immer mal wieder kleinere Zeiträume frei. Im September 2018 habe ich das geschafft – und mich, relativ kurzfristig, mit meinem Rad „Pete“ (Peter) in den IC nach Basel gesetzt. Von dort bin ich knapp zehn Tage lang ein kleines Stück der EuroVelo 6 gefahren, bis nach Beaune. Zurück ging es mit dem Zug.

Since my travel scholarship in 2017/2018, I have been longing for more cycling trips. Being independent – while travelling sporty and environmentally friendly – is a feeling I would love to feel again and again. As a scientist, there is unfortunately hardly any time for real holidays in the normal course of everyday life. In September 2018, however, I managed to find some free time and, rather spontaneously, got on the IC to Basel with my bike „Pete“ (Peter). From there, I rode a small section of the EuroVelo 6 for just ten days, all the way to Beaune. For the way back, I took the train.

Das Netz der europäischen Radfernwege ist großartig und erleichtert die eigene Planung: Nicht nur findet man online sämtliche wichtigen Streckeninfos zur Vorbereitung, sondern auch sind die Wege gut ausgebaut und ausgeschildert. Viel falsch machen kann man also nicht. Da die Strecken sich entlang von Städten und Dörfern hangeln, gibt es ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten am Wegesrand, so dass auch hier – zumindest in der Nebensaison – keine allzu große Planung notwendig und man relativ flexibel ist. Da ich diesmal kein Zelt dabei hatte und auf ein Dach über dem Kopf angewiesen war, habe ich dennoch meistens am Morgen online per Handy Übernachtungsmöglichkeiten für den Abend am geplanten Tagesziel angefragt. In der Hauptsaison sollte man vermutlich immer im Voraus buchen.

The network of European long-distance cycle routes is great and makes planning easier: not only can you find all the important information online, but the routes are also well developed and signposted. You basically can’t do much wrong. Since the routes follow towns and villages, there are plenty of places to stay along the way, so you don’t need to plan much – at least in the low season -, and you are relatively flexible. As I didn’t have a tent with me this time, I usually checked online in the morning by mobile phone for accommodation possibilities for the evening at the planned destination of the day. In the high season, you should probably always book in advance.

Die EuroVelo 6 verläuft quasi einmal quer durch das europäische Festland: Sie verbindet Saint-Nazaire am Atlantik mit Constanța am Schwarzen Meer und überspannt eine gigantische Strecke von über 3.600 km. Der kleine Abschnitt, den ich gefahren bin, umfasste nur rund 250 km – eine gemütliche Tour also. Mehr als 50 km bin ich selten an einem Tag gefahren, und in Dijon und Beaune habe ich jeweils mehrere Nächte verbracht, um mir die Städte noch anzusehen.

The EuroVelo 6 runs virtually once across the European mainland: it connects Saint-Nazaire on the Atlantic with Constanța on the Black Sea and spans a gigantic distance of over 3,600 km. The small section I drove was only about 250 km – so it was a leisurely tour. I rarely rode more than 50 km in one day, and I spent several nights in Dijon and Beaune to see the cities.

Die Großstadt Mulhouse nutzte ich nur für eine erste Übernachtung per Couchsurfing, um am nächsten Tag schnell weiterzureisen Richtung der charmanteren Städtchen, die noch kommen sollten. Der erste richtige Stopp war Belfort mit seinem berühmten Löwen, der die Stadt überwacht. Belfort liegt nicht direkt an der EuroVelo 6, sondern ich habe dafür einen kleinen Abstecher nach Norden gemacht; stattdessen habe ich Montbeliard ausgelassen und bin nur vorbeigefahren.

I only used the big city of Mulhouse for a first overnight stay via Couchsurfing, in order to quickly continue my journey the next day towards the more charming little towns that were still to come. The first real stop was Belfort with its famous lion that watches over the city. Belfort is not directly on EuroVelo 6, but I made a small detour north for it; instead, I skipped Montbeliard and just drove by.

Grund für die Wahl der EuroVelo 6 war Besançon gewesen. Die malerisch in der Flussschliefe des Doubs gelegene Stadt hatten meine Reisegefährtin Zsuzsi und ich während des Reisestipendiums durchradelt; ihre historische Altstadt wirkt auf mich ein wenig wie ein französisches Cambridge. Das Leben vor Ort wird von den vielen Studierenden geprägt, die abends mit ihrem Bier an den Straßenecken sitzen. Dank meines Couchsurfing-Gastgebers, der mich mit in seine Lieblingsbar nahm, konnte ich mich einen Abend wie eine von ihnen fühlen.

The reason for choosing EuroVelo 6 was Besançon. My travel companion Zsuzsi and I had cycled through the picturesque town on the banks of the Doubs during the travel scholarship; its historic old town looks a bit like a French Cambridge to me. Local life is characterised by the many students who sit on the street corners with their beer in the evening. Thanks to my Couchsurfing host, who took me to his favourite bar, I could feel like one of them for an evening.

Der einzige Ort, an dem ich partout keine Übernachtungsmöglichkeit finden konnte, war Dole: Dort fand just an dem Wochenende, an dem ich dort einradelte, ein Festival statt, so dass alles ausgebucht war. Dementsprechend musste ich zügig weiterradeln. Dijon und Beaune, die nicht mehr an der EuroVelo 6 liegen, waren die letzten Etappen meiner Reise, wobei auch das Wetter in der zweiten Septemberhälfte schon merklich abkühlte. Beide Städte bieten viele historische Sehenswürdigkeiten, u.a. für mich als Archäologin das Musée des Beaux-Arts in Dijon, auch wenn es zu dieser Zeit wegen Umbau größtenteils geschlossen war. Meine Lieblingsübernachtung war das kleine Bed-and-Breakfast (Shopicerie) 10 Rue Larrey du Pont in Veuvey-sur-Ouche. Die freundliche Inhaberin, eine ältere Engländerin, serviert dort für ein paar Euro deftige Mahlzeiten wie Nudeln mit Käse und Butter, die die Engerireserven wieder füllen, und man nächtigt in den großen Räumen eines Altbaus am Kanal.

The only city I couldn’t find a place to stay was Dole: there was a festival there on the very weekend I arrived, so everything was booked up. Accordingly, I had to cycle on quickly. Dijon and Beaune (not EuroVelo 6) were the last stages of my journey, although the weather was already cooling down noticeably in the second half of September. Both cities offer many historical sights, including the Musée des Beaux-Arts in Dijon for me as an archaeologist (even though it was mostly closed for renovations at that time). My favourite place to stay was the small bed-and-breakfast (Shopicerie) at 10 Rue Larrey du Pont in Veuvey-sur-Ouche. The friendly owner, an elderly Englishwoman, serves hearty meals like pasta with cheese and butter for a few euros, which replenish your energy reserves, and you sleep in one of the large rooms of an old building by the canal.

Insgesamt bot der kleine Abschnitt der EuroVelo 6 eine ideale Strecke für eine recht spontane, entspannte kleine Radreise mit hübschen Städtchen am Wegesrand. Die Radwege sind einfach, mit wenigen kleinen Steigungen. Einziges Manko: Man radelt große Teil an Kanälen entlang (Rhein-Rhône-Kanal), was an manchen Tagen etwas eintönig ist. Dafür bieten die Kanalufer leicht befahrbare Strecken, und die pittoresken Zwischenstopps verdrängen die Eintönigkeit. Der September ist ohnehin einer meiner liebsten Reisemonate, da die Temperaturen in Europa noch mild bis heiß sind, aber sich schon die vollen Herbstfarben ankündigen. Der blau-rosa Abendhimmel, der sich im Kanal spiegelt, war das tägliche Highlight der Reise.

Overall, the small section of EuroVelo 6 offered an ideal route for a fairly spontaneous, relaxed little cycle trip with pretty towns along the way. The cycle paths are easy, with few small climbs. The only drawback is that much of the route follows canals (Rhine-Rhône Canal), which can be a bit monotonous on some days. On the other hand, the banks of the canals offer easy routes, and the picturesque stops dispel the monotony. September is one of my favourite months to travel anyway, as the temperatures in Europe are still mild to hot, but the full autumn colours already show themselves. The blue-pink evening sky reflected in the canal was the daily highlight of the trip.

2 Kommentare

  1. Toll, da würde ich auch gerne mal entlangradeln. Ich kenne das alles bisher nur vom Auto aus. Nächste Woche geht es für mich und einen Kumpel nach Rumänien. Mit dem VW-Bus bis Baia Mare und dann zwei Wochen durch Maramures, Moldauklöster und Siebenbürgen.

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    1. Ich kann es nur empfehlen. Aber Rumänien ist natürlich auch toll! 2019 war ich für drei Wochen mit öffentlichen Verkehrsmitteln dort unterwegs (Siebenbürgen, Bukarest, Constanta) und hatte schon längst noch weitere Beiträge darüber posten wollen, zusätzlich zu dem bisherigen über Cluj. Nur fehlte leider die Zeit zum Schreiben … Aber ich möchte das ganz bald nachholen! :) Genießt jedenfalls die Reise – es gibt viele schöne Orte dort zu entdecken.

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