Reisen / Travel

Ein Tag in Cluj

Ich war immer noch sehr schläfrig. Eigentlich hatte der Bus um 7.50 Uhr ankommen sollen, stattdessen waren wir schon kurz nach 6 Uhr morgens in Cluj. Der Busbahnhof erinnerte mich an bisschen an türkische Busbahnhöfe: Viele Kleinbusse, ein Plastikhäuschen zum Ticketverkauf und Werbung für Efes-Bier. Es war noch nicht einmal hell, und Busbahnhöfe gehören zu den Orten, die ich normalerweise nachts meide, wenn ich alleine auf Reisen bin. Deshalb ging ich beherzt auf die einzige andere junge Frau mit großem Rucksack zu, die aus meinem Bus ausgestiegen war und keine Rumänin zu sein schien. Leanne kommt aus Kanada und begann ebenfalls ihre erste Rumänienreise in Cluj. Zusammen machten wir uns schwer beladen auf den Weg ins Stadtzentrum.

I still felt sleepy when we arrived at the bus station. The bus was supposed to reach Cluj at 7:50; we were there at 6:00 in the morning already instead. The bus station reminded me of Turkish bus stations: Many minivans, a plastic hut for selling tickets and Efes beer advertisement posters. It was still dark outside, and I normally rather avoid bus stations at night when travelling alone. But there was this other young woman with a huge backpack who had been on the same bus as I and did not seem to be Romanian. She turned out to be Canadian, on the first day of her first trip through Romania too. So Leanne and I started walking towards the city centre with our backpacks together.

 

Schon auf dem halbstündigen Marsch entlang der Strada Horea nach Süden begeisterte mich Cluj mit seinen Anblicken: der blätternde Putz der Fassaden des frühen 20. Jahrhunderts neben den redundanten Fensterreihen der kommunistischen 70er-Jahre Architektur. Da meine gebuchte Unterkunft außerhalb des historischen Zentrum von Cluj lag, ich dort aber erst nachmittags würde einchecken können, begleitete ich Leanne zu ihrem Hostel im Zentrum. Ich war neidisch: Das „Transylvania Hostel“ liegt in einem hübschen Sträßchen, ist durch den Eingang eines etwas heruntergekommen Altbaus zu erreichen und besitzt einen gemütlichen kleinen Innenhof mit Garten. Immerhin konnte ich mich dort etwas frischmachen, meinen letzten Reiseproviant auffuttern und sogar mein Gepäck erst einmal stehenlassen, um die Stadt zu erkunden.

Already the 30 minutes walk along the Strada Horea to the centre made me fall in with Cluj: early 20th century facades whose paint is peeling off the walls stand next to yellow-brownish 1970s communist era buildings with endless rows of windows. Because my accommodation was located outside the historical centre but I could only check in in the afternoon, I accompanied Leanne to her hostel, the “Transylvania Hostel”. It is situated in a picturesque street, in a slightly run-down old building with a charming courtyard. I was jealous, but at least I could brush my teeth, eat up the rest of my travel provisions and even store my luggage there till the afternoon. So I left Leanne to take an early-morning stroll through Cluj.

 

Mein Spaziergang führte mich zuerst in die in den 1920er Jahren erbaute orthodoxe Kathedrale an der Piața Adam Iancu. Hier fand, Dienstag morgens, ein Gottesdienst statt: Vor allem ältere Frauen – viele mit Rock und Kopftuch, wie man es häufig in Rumänien sieht – standen im Innen der Kirche, vorne zwei Priester, die in einem mir völlig fremden Singsang sprachen. Alles war dynamisch: neue Besucher kamen herein, liefen nach vorne, andere verließen die Kirche während der Zeremonie wieder. Vor Betreten und Verlassen bekreuzigten sich alle, wandten sich noch einmal respektvoll um, bevor sie ins Freie traten. Selbst beim Vorbeifahren an einer Kirche bekreuzigen sich viele Rumänen, wie ich auf der weiteren Reise gesehen habe. Da jegliche kirchliche Zeremonien (und erst recht Gold-überfrachtete Kirchenräume) mir fremd sind, beobachtete ich alles nur eine Viertelstunde mit Sicherheitsabstand und höflichkeitshalber von der Eingangstür aus, bevor ich mich von dannen machte. Am südlichen Ende des Platzes steht das prächtige Nationaltheater im Jugendstil, das von Wiener Architekten errichtet wurde.

My first destination was the orthodox cathedral at Piața Adam Iancu in the south of which also the national theatre lies, a beautiful Art Nouveau building designed by Viennese architects. On this Tuesday morning, a mass was being celebrated in the cathedral. People were standing inside: older persons, mostly women, wearing head scarfs long skirts like you will often see them in Romania. They moved during the ceremony, new people entered, others left, everything was dynamic, while two priest were performing a kind of singsong. Before entering or leaving the cathedral, people made the sign of the cross and respectfully turned around one last time before stepping outside. Some Rumanians even do this when only passing a church by bus, as I learned later on this trip. Since I do not feel familiar or comfortable with any kind of Christian religious ceremonies (neither with church interiors in gold paint), I only watched everything from the safe distance of the entrance door.

 

Unbeschwerter fühlte mich an der weitläufigen Piața Unirii, auf der sich auch die Sankt-Michaels-Kirche (Biserica Sfântul Mihail) befindet und das Reiterstandbild von Matthias Corvinus (Matthias Hunyadi, König von Ungarn 1458–1490, das zu dieser Zeit Siebenbürgen miteinschloss). Der Platz ist von hübschen Häusern mit schicken Cafés und Restaurants umgeben; auf seinen Bänken sitzen Jung und Alt zum Plaudern und Schauen. Überhaupt besitzt Cluj eine auffallend große Anzahl hipper kleiner Kaffeeläden, die leckerste Kaffeevariationen anbieten. Getestet habe ich den „Habitat Coffee Room“ am Nordausgang der Altstadt sowie zwei Cafés an der Nordseite des Boulevard Eroilor – alle vorzüglich!

I felt more happy entering the large Piața Unirii with the St. Michael’s Church (Biserica Sfântul Mihail) and the equestrian statue of Matthias Corvinus (Matthias Hunyadi, king of Hungary 1458–1490, which included Transylvania by that time). The square is flanked by low pretty houses and chic cafés and restaurants; there are benches to relax and watch what is going on in the square. I realised that Cluj offers a range of hip little coffee places which sell excellent cappuccino and coffee variations. The „Habitat Coffee Room“ on the northern exit of the old town is a great choice, and I also tried out two other coffee places along the northern side of Boulevard Eroilor which were equally good.

 

Cluj ist auch Studentenstadt, denn sie besitzt mit über 350.000 Einwohnern auch mehrere Universitäten und Hochschulen. Die wunderschöne „Zentrale Universitätsbibliothek Lucian Blaga“ wurde Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut – hier lohnt ein Blick in den Eingangsbereich mit Empfangsschalter, Zettelkästen und Lesesaal. Auch in das Kunstmuseum (Museul Național de Artă) Piața Unirii habe ich einen Blick geworfen, wobei mich das barocke Palais selbst mit seinem säulenumstandenen Innenhof mehr beeindruckt hat als die darin ausgestellte Kunst des 17.–21. Jahrhunderts.

Cluj has about 350,000 inhabitants and is a student city with several universities. The beautiful „Central University Library Lucian Blaga“ was built in the early 20th century and is worth a look inside with its entrance area, card indexes and reading room. I also paid a short visit to the National Art Museum (Museul Național de Artă) next to Piața Unirii, more because of its baroque palais than because of the exhibited 17th to 21th century arts though.

 

An der Piața Museului im nordwestlichen Viertel der Altstadt fand offenbar gerade eine Almosenausgabe an der Franziskanerkirche statt; eine Traube von Menschen wartete am Eingang, um große Taschen (mit Lebensmitteln oder Kleidung?) entgegenzunehmen. Nebenan befinden sich einige der schicksten und coolsten Lokale des historischen Zentrums. Dieser Teil der Altstadt war aber auch derjenige, der mir am touristischsten – oder überhaupt touristisch – vorkam, denn hier befindet sich auch das Geburtshaus des besagten Matthias Corvinus sowie das Nationalmuseum zur Geschichte Transsilvaniens, das mit seiner eher altbackenen und ausschließlich rumänischsprachigen Vermittlungsstrategie allerdings nicht begeistern konnte.

The Franciscan Church at Piața Museului was apparently just giving alms, and there was a large bunch of people waiting to receive packages (of food or clothes?). In the square, some of the most stylish restaurants in the old town are to be found, and this area also seemed to be the most touristic one to me – maybe because of the birth house of the already mentioned Matthias Corvinus and the National Museum for the History of Transylvania. The latter one is, however, rather old-fashioned and information is given almost exclusively in Romanian.

 

Cluj hat mich sofort begeistert, und es ist auch nach dem Besuch weiterer Städtchen mein persönlicher Lieblingsort in Siebenbürgen geblieben: charmant und unaufgeregt, mit einer (noch) nicht so geschniegelten und herausgeputzten Altstadt wie z. B. in Sibiu/ Hermannstadt, die dafür coole und moderne Cafés und Lädchen aufweist. Und das Highlight: für die Nacht konnte ich doch noch umbuchen und im süßen „Zen Hostel“ in der Strada Eroilor bleiben. Am nächsten Tag ging es dann, nun in Begleitung meines Lieblingsmenschen, der mit dem Flieger zugereist war, los durch Transsilvanien/ Siebenbürgen bis nach Bukarest, von wo aus ich gen Osten weiterreisen würde: ans Schwarze Meer (Constanța) und ins Donau-Delta.

Cluj captivated me at first sight, and it remained my favourite city of Transylvania even after having visited other cities around: its old town is pleasant, calm and not (yet) as spick and span as, or example, Sibiu/ Hermannstadt but with modern und cool cafés and shops. And the best was that I could change my booking and stay in the old town for that first night, in the cute „Zen Hostel“ in Strada Eroilor. The next day, my favourite (who had arrived by plane) and I startes our tour through Transylvania to Bucharest, from where I would head east to the Black Sea coast (Constanța) and the Danube delta.

SAMSUNG CSC
Strada George Baritiu.

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