Archäologie / Archaeology

„Ganz Gallien ist besetzt. Ganz Gallien? Nein…“

„Ganz Gallien ist besetzt. Ganz Gallien? Nein…” Dieser Text dürfte den meisten aus den Asterix-und-Obelix-Comics bekannt sein, in denen sich ein kleines gallisches Dorf gewitzt gegen die römischen Besatzer zur Wehr setzt. Das heutige Südfrankreich war schon seit dem Ende des 2 Jh. v. Chr. Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen und sein Mittelmeergebiet die erste römische Provinz in Gallien; der Name der Landschaft Provence rührt von der Einrichtung der Gegend als römische provincia her.

“Gaul is entirely occupied by the Romans. Well, not entirely…” Most people know this text from the comics of Asterix and Obelix which tell about a little Gallic village defending itself from the Romans. Southern France has been a setting for fights in the 2nd century BC already; its Mediterranean area was the first Roman province in Gaul, and the name of the present-day Provence derives from its status as a Roman provincia.

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Cycling in Provence.

Das von den Römern als Gallien bezeichnete Gebiet umfasste insgesamt aber mehr, nämlich Teile Norditaliens – Gallia Cisalpina, d. h. von Rom aus gesehen diesseits der Alpen – sowie Frankreich und einen Teil Belgiens – Gallia Transalpina, d. h. von Rom aus gesehen jenseits der Alpen. Nach der Unterwerfung des diesseitigen Galliens schon im 2. Jh. v. Chr. wurde das jenseitige Gallien maßgeblich unter Caesar militärisch besiegt; dieses große Gebiet, das die Römer auch „Gallia comata“, das „langhaarige“ (also barbarische, d. h. nicht-römische) Gallien nannten, war laut Caesar dreigeteilt, weil dort drei verschiedene Volksgruppen siedelten: die Belger, Aquitanier und die Kelten bzw. Gallier.

The area named Gallia/Gaul by the Romans was far larger though: it included parts of northern Italy – Gallia Cisalpina, i. e. the Gaul in front of the Alps (as viewed from Rome) – as well as France and parts of Belgium – Gallia Transalpina, i. e. the Gaul on the other site of the Alps. After the conquest of Gallia Cisalpina in the 2nd century BC, Gallia Transalpina was mainly conquered by Julius Caesar. He reported that this area, which the Romans also called “Gallia comata”, the long-haired (i. e. barbarian, non-Roman) Gaul, consisted of three parts because there were three different ethnic groups living in it: the Belgae, the Aquitani, and the Gauls/Celts.

Prähistorische Statuenmenhire. // Prehistoric anthropomorph menhirs.

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere ehemalige Lateinschüler daran, in der Schule den Anfang von Caesars „De bello Gallico“ auswendig gelernt haben zu müssen: „Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur“. Dementsprechend wurden die unter dem ersten römischen Kaiser Augustus eingerichteten Provinzen als Gallia Belgica, Gallia Aquitania und Gallia Lugdunensis (mit der Hauptstadt Lugdunum/Lyon) benannt, die auch unter der Bezeichnung „Tres Galliae“ zusammengefasst werden. Die vierte gallische Provinz war das eingangs erwähnte, als erstes römisch gewordene Küstengebiet Südfrankreichs unter dem Namen Gallia Narbonensis mit Hauptstadt Narbo (Narbonne). Die Provinzhauptstadt selbst besitzt jedoch nur noch sehr geringe Überreste ihrer römischen Vergangenheit, während die modernen Städte Arles (Arelate) und Nîmes (Nemausus) noch heute besonders eindrucksvolle Zeugnisse römischer Architektur aufweisen.

Maybe some of you still remember having to memorize the beginning of his “Gallic Wars” (De bello Gallico) at highschool: “Gallia est omnis divisa in partes tres, quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli appellantur“. According to its threefold structure, Gaul was divided into the provinces Gallia Belgica, Gallia Aquitania and Gallia Lugdunensis (with the capital Lugdunum/Lyon) under the first Roman emperor Augustus which are also summarized as the “Tres Galliae”. The fourth part of Gaul was the already mentioned, earliest conquered part at the Mediterranean coast of southern France: it became the Gallia Narbonensis with the capital Narbo (Narbonne). But whereas Narbonne itself does not bear many traces of its Roman past, Arles (Roman Arelate) and Nîmes (Roman Nemausus) still possess rich architectural remains from Roman times.

In Marseille (Massalia/Massilia), das eine Gründung ionischer Griechen aus Phokaia (beim heutigen Izmir, Türkei) war, finden sich Bauphasen aus griechischer und römischer Zeit; besonders beeindruckend sind hier die im Musée d’histoire de Marseille ausgestellten, kompletten römischen Schiffe. Im sumpfigem Habitat konserviert, haben sich verschiedene Objekte aus Holz und Leder erhalten, die einen Eindruck von Alltag und Handel der antiken Hafenstadt geben.

Marseille (Massalia/Massilia) was a Greek foundation by settlers from Phokaia (present Izmir, Turkey); it therefore shows several construction phases, from Greek and Roman times. The Musée d’histoire de Marseille has very impressive Roman ship wrecks on display. Different kinds of objects from wood and leather have been preserved in the former harbour area which give an insight into the life in this important harbor city 2000 years ago.

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Ancient ship wreck at the Musée d’histoire de Marseille.
Impressionen aus den Straßen von Marseille. // Streets of Marseille.

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für den ausgezeichneten Bericht über Südfrankreich. Auch ich habe Cäsars Einleitung zum gallischen Krieg auswendig lernen müssen, hatte aber die Einzelheiten über die drei Provinzen und ihre Hauptstätte längst vergessen. Thank you very much for the review!

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    1. Danke – es freut mich, dass Dir mein kleiner Bericht gefällt. Bei mir war diese Textstelle auch ziemlich in Vergessenheit geraten, aber es hat sich mit der Reise jetzt ein schöner Anlass geboten, sie wieder aus dem Gedächtnis zu kramen.

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